Mi 14 Apr 2010
Kleiner Disclosure vorweg: Ich habe mich in den vergangenen Wochen und Monaten mit einem Mitglied des DRPR über die Thematik allgemein und mit einem anderen Mitglied über die möglichen Inhalte solcher Richtlinien und die zur Diskussionsstellung bzw. Schaffung einer möglichst breiten Akzeptanz im Detail ausgetauscht
Rein Inhaltlich möchte ich an dieser Stelle auf die zur Diskussion gestellten Richtlinien gar nicht weiter eingehen. Nur kurz: So wie sie da stehen, gehen sie meiner Meinung nach in die richtige Richtung, an manchen Ecken wird wohl noch gefeilt und aus/umformuliert werden, aber im Groben kann ich dem dort geschrieben nur zustimmen. Bei einer letztendlichen Verabschiedung und Veröffentlichung, fände ich es u.a. noch spannend, jeweils 3 Beispiele aus der Praxis zu formulieren. Worauf ich aber hier jetzt kurz näher eingehen möchte, sind ein paar Gedankengänge von mir, bezüglich der Akzeptanz, Relevanz und vielleicht auch Legitimität solcher Onlinerichtlinien.
Gedankengang1:
Ich finde es wichtig, dass der DRPR (als Selbstkontrollinstanz der DPRG, des BdP, der GPRA & degepol) dieses Thema behandelt und ich finde es auch gut, wenn er eine Richtlinie dazu veröffentlicht. Viele Teile der Kommunikationsbranche, der politischen und gesellschaftlichen Institutionen und auch der Unternehmen fangen gerade erst an, sich eingehender mit der Online Kommunikation und dem Social Web zu befassen. Diskussionen, die in der Community der Online Kommunikationsberater und Social Media Aktiven seit Jahren geführt werden, sind für viele, viele Menschen immer noch neu. Sie kennen weder die alten Diskussionen, noch haben sie jemals von Astroturfing oder der entsprechenden Rechtsprechung z.B. in den USA und UK gehört. Diese „Entscheider“ entscheiden gerade erst für sich, wie sie zur Online und Social Media Kommunikation stehen, wie sie diese nutzen können und wollen und welche Möglichkeiten oder Ängste sie hier bestätigt sehen. Und es sind zuweilen genau diese Menschen, bei denen der DRPR und seine Mitglieder eine ganz andere Akzeptanz haben. Somit ist es aus meiner Sicht wichtig, dass der DRPR in dieser Form und mit diesen Inhalten hier klar Stellung bezieht – und zur Diskussion anregt.
Denn die Ethik der Kommunikation und vor allem der aus politischem oder wirtschaftlichem Interesse betriebenen Kommunikation und hier vor allem auch im Onlinebereich, diese Ethik sollte und muss aus unterschiedlichen Gründen permanent auf allen Ebenen transparent diskutiert und verhandelt werden. Als Beispiele seien hier nur kurz das Vertrauen in neue Technologien und eben Astroturfing genannt.
Gedankengang2:
Ich finde es klasse, das der DRPR sich entschieden hat, die Richtlinie in dieser Form zur Diskussion zu stellen. Der DRPR sagt selbst:“ Hintergrund ist es, zum einen die Internet Community stärker in den Prozess einzubinden, gerne etwas dazu zu lernen und andererseits auch breiter Unterstützung für mehr Transparenz in Absenderklarheit im Web zu gewinnen.“ Das zweifle ich nicht an und finde es gut so. Wer weiß, was da in Zukunft, auf lange Sicht noch alles möglich sein wird.
Gedankengang3:
Wer macht heutzutage eigentlich alles PR? Für „uns“ PRler ist eine breite, umfassende Definition von PR selbstverständlich. Für viele Unternehmen aber, ist PR immer noch Press-, bestenfalls (journalistische) Media Relations. Für einige Menschen auf der Straße ist Werbung/Marketing dieses lustige bis nervige, was die Unternehmen da so machen, um sich selbst darzustellen und PR ist das böse, dunkle Hinterzimmer-Strippenziehen. Was Erfahrungen, Diskussionen, Positionierungen, Kongresse, Pitches, Cases nun im Online Bereich zeigen, ist, dass wir hier sowieso nicht mehr, spätestens seit Social Media, klar zwischen PR, Marketing, CRM und weiterem differenzieren können – und eigentlich auch sollten. Diese Wirklichkeit ist natürlich von den Realitäten in den meisten Unternehmen noch weit entfernt, worauf ich aber eigentlich hinaus will: Die Praktiken, welche der DRPR in seinen Richtlinien beschreibt, werden von vielen Menschen evtl. in Betracht gezogen oder evtl. betrieben, die weder jemals vom Code d’Athène oder Code de Lisbonne oder dem DRPR gehört haben, noch von sich sagen würden, dass sie „(Online) PR machen“. Es sind zuweilen Community Marketing, Online Marketing, Social Media Marketing, Web, Online oder Digital Agenturen oder Verantwortliche, von denen manche auf Agenturseite als Teil ihres Angebotsspektrums hunderte gefakte Social Media Profile, Forenprofile und Blogs betreiben. Denen ist eine Onlinerichtlinie des DRPR vorerst herzlich egal.
Zwei andere konkrete Beispiele aus der Praxis wären der Süddeutsche App / Trigame Fall und des alte Coty / DKD Beispiel. Ich weiß nicht, ob der zuständige Marketingleiter der Süddeutschen sich in irgendeiner Form dem DRPR über zur Rechenschaft verpflichtet sieht, noch weniger mit Sicherheit die Webagentur DKD.
Um hier eine breitere Bekanntheit, einen breiteren Diskurs und somit auch eine breitere Akzeptanz für das der Onlinerichtlinie des DRPR zugrundeliegende kommunikationsethische Verständniss zu schaffen, sollte der DRPR meiner Meinung nach:
- Ein breites Bündnis schaffen bzw. etablieren. So könnte es eine spannende Überlegung sein, den BVDW mit ins Boot zu holen und evtl. einen erweiterten Rat für Online Kommunikation zu schaffen. Auch den GWA sollte man evtl. zumindest bei Onlinefällen, die nicht rein klassische PR-Agenturen/Praktiker betreffen einbinden.
- Zudem sollte versucht werden hier die Verhandlung der jeweiligen Fälle so transparent wie möglich nachvollziehbar zu machen. Auch könnten hier neue Online Informations- und Diskussionsangobte des DRPR für eine breitere Aufmerksamkeit, Relevanz und Akzeptanz sorgen.
Dieses sind, wie gesagt, nur 3 kurze, spontane Gedankengänge zu der Thematik …
Ja und den ganzen Rest, um den kümmert sich sowieso die Cloud, da hab ich vollstes Vertrauen.
One Response to “ Ein paar Gedanken zur DRPR Onlinerichtlinie – Wer macht heutzutage eigentlich alles PR? ”
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Mai 25th, 2010 at 08:05[...] zuvor zu kommen. Das Internet hat vieles in der PR verändert: so machen heute nicht nur klassisch organsierte Agenturen PR, sondern auch Firmen selbst oder Einzelpersonen, die sich von einer Institution wie dem DRPR [...]

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