Wir hatten ja schon angekündigt, dass wir hier von Zeit zu Zeit auch einige Blogeinträge zu relevanten Themen veröffentlichen wollen. Den Anfang mache ich nun mit etwas, was mir schon länger im Kopf rum geht, nämlich der Tatsache, dass das, was einem heutzutage in manchen Büchern, Magazinartikeln oder Blogeinträgen als neues/modernes Digitales Marketing oder auch Social Media Marketing nähergebracht wird, vom Grundgedanken her klassische PR ist. Ich kann mir vorstellen, dass es für manche Marketingabteilung ein völlig neuer, revolutionärer Gedankengang ist, den Menschen erst zuzuhören und dann auch noch in einen Dialog mit ihnen zu treten und dass ganze zudem wohlmöglich integriert und kongruent zu sonstigen internen und externen kommunikativen Aktivitäten – für die klassische, strategische PR ist das allerdings (eigentlich) ein alter Hut.

Zuhören, wahrnehmen, relevanten Content liefern, Stories finden, Dialoge
führen – Modernes Digitales Marketing ist eigentlich klassische PR

In meinem PR-Studium haben wir uns viel mit der Geschichte, der Entwicklung und den verschiedenen Ansätzen von PR beschäftigt. Dabei besonders relevant für die aktuellen Entwicklungen finde ich unter anderem die Überlegungen zur exzellenten, integrierten Unternehmenskommunikation nach Karin Kirchner. Schon seit Jahrzehnten beschäftigt sich die (strategische) PR damit zu gucken, wer ist da an meiner Marke / meinem Produkt / meinem Unternehmen interessiert, was denken die, was wie wo reden die, wie kann ich an der Diskussion teilnehmen – auch jenseits der Absatzmärkte. Was sind meine Themen, wo haben wir Expertisen jenseits des Offensichtlichen, was sind die Positionen und Gedanken der anderen Bezugsgruppen, welche Issues könnten relevant werden, wie kommuniziert unser Unternehmen auf welchen Kanälen, wie wirkt das auf die unterschiedlichen Stakeholder, wie wird mit den Mitarbeitern kommuniziert, wie kommunizieren die Mitarbeiter wohlmöglich mit anderen Stakeholdern, wie kommen wir mit den unterschiedlichen Stakeholdern nachhaltig ins Gespräch, wie machen wir unsere Positionen am besten verständlich, wie kommunizieren wir glaubwürdig, wie erhalten wir langfristig den Handlungsrahmen für das Unternehmen, wie bauen wir nachhaltige Beziehungen zu den unterschiedlichen Bezugsgruppen auf, wie beeinflusst das unsere Reputation, wie können wir unsere Reputation aktiv gestalten usw. usw. – das alles ist klassische PR.

In der strategischen PR geht es (theoretisch) seit jeher darum, Menschen zuzuhören, sie zu verstehen und mit ihnen Informationen auszutauschen und Gespräche zu führen – im Gegensatz zum klassischen Marketingkommunikationsansatz: auf Absätze und Kunden fokussierte Botschaften zu vermitteln. Eigentlich müsste hier also die Social Media in der Unternehmenskommunikation offene Türen einrennen und mit ihren neuen Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Kommunikation als effizienter und effektiver Segen gefeiert werden. Dies findet aber kaum statt, hingegen lese ich immer öfter, wie das Marketing diese „neue Art des Kommunikationsansatzes“ für sich entdeckt. Was ich seit 2 Jahren in Martking2.0-Büchern, Artikeln und einigen Blogs als „Change of Mind“ und neuen Ansatz im Digitalen Marketing lese, sind meiner Ansicht nach zum Großteil klassische strategische PR-Ansatzpunkte zur Stakeholderkommunikation, nur halt mit neuen technischen Möglichkeiten.

Wie seht ihr das?
Verschwimmen in der/durch die Online und Social Media Relations PR und Marketing?
Oder wächst zusammen, was seit jeher zusammen gehört?
Ùnd verschläft die Unternehmenskommunikation hier vielleicht zuweilen Entwicklungen?